Sibylle Bergemann, Heike, Allerleirauh, Berlin, 1988, Design: Angelika Kroker
© Nachlass Sibylle Bergemann, OSTKREUZ; Courtesy Loock Galerie, Berlin, Kostüm: Angelika Kroker

Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang

Medea: Femme Fatale und Über-Frau aus dem Osten. Flucht in den Mythos? Nicht mit ihr! Häufig wichen vor 1989 gerade in Ostdeutschland Literat*innen und Maler*innen auf antike Schauplätze aus, um Unbehagen am Regime und Unfreiheit darzustellen.

  • Laufzeit 08.12.2018—31.03.2019

Text

Die hier vorgestellten Künstlerinnen, allesamt auf der sozialistischen Seite des Eisernen Vorhangs gereift, interpretierten Medea, Kassandra oder Penthesilea im weitesten Sinne als zeitgenössische Frauenbilder. Sie zündelten, provozierten, protestierten, experimentierten unter dem Radar akzeptierter Medien, entblößten sich selbst und ihren Zorn, verweigerten sich zugleich sozialistischen und bürgerlichen Rollenmodellen. Mit dieser doppelten Verweigerung gingen sie meist größere Risiken ein als ihre männlichen Kollegen. Doch dieses gebündelte Ausmaß an Trotz und Energie wirkt in ihrer Bildsprache auch gegenwärtig noch nach.

Bis heute sind viele der Werke, die die Ausstellung „Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“ zeigt, einem weiten Publikum unbekannt. Gerade jetzt, da nach einer öffentlichen Sichtbarkeit für Kunst aus der Zeit vor 1989 verlangt wird, werden derlei Defizite besonders deutlich. Hier greift „Medea“ als Korrektiv ein.

Foto einer wütenden älteren Frau
© Gundula Schulze Eldowy, Foto: Stefanie Recsko
Gundula Schulze Eldowy, Berlin 1987, aus dem Zyklus: Der große und der kleine Schritt (1984–1990) Förderankauf des Freistaates Sachsen 1998, Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Film

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Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang
Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang

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Um die Einzigartigkeit dieser künstlerischen Antworten auf den autoritären Zwang wirklich einordnen zu können, reicht weder der Bezug nur zu den zeitgeschichtlich aufgeladenen ostdeutschen Kontexten, noch die Orientierung am westlichen Kunstkanon nach 1945. Vielmehr ist es an der Zeit, eine Einordnung nach Osten vorzunehmen: "Medea muckt auf" schaut auf jene sozialistisch aufgestellten Territorien, wo die Bedingungen für freie (oder eben unfreie) Kunstausübung mit denen in der DDR vergleichbar waren.

Fotografie von drei jungen Frauen, die in eine Scheibe Wassermelone beißen
© Courtesy of the artist, Foto: József Rosta / Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art
Natalia LL, Aus der Serie Consumer Art (1-3), 1975

Impressionen

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Risikobereitschaft, Improvisationstalent, Selbstironie, kategorische Umdeutungen klassischer Materialien und Motive - das sind längst nicht alle Verbindungen, die sich etwa zwischen Magdalena Abakanowicz (PL) und Christa Jeitner, zwischen Katalin Ladik (HU) und Gabriele Stötzer, zwischen Zorka Saglova (CZ) und Else Gabriel, zwischen Zofia Rydet (PL) und Gundula Schulze Eldowy, zwischen Geta Bratescu (RO) und Christine Schlegel ziehen lassen. "Medea muckt auf" gegenüber den Vergesslichkeiten der jüngeren Kunstgeschichte und der Marginalisierung weiblicher Positionen. Fernab von Opfergestus oder Verbitterungsszenarien, feiert die Sonderausstellung Stärke, Selbstbewusstsein, Widerstandsfähigkeit und vor allem künstlerische Qualität.

Zeichnung von zwei nackten sitzenden Menschen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Karla Woisnitza, Zeichnung zum Medea-Mythos, 1985 Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Friedhelm Hoffmann, Berlin

Künstlerinnen

Die Ausstellung präsentiert 36 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstlerinnengruppen:

Tina Bara (*1962), Annemirl Bauer (1939 - 1989), Sibylle Bergemann (1941 - 2010), Else Gabriel (*1962), Angela Hampel (*1956), Christa Jeitner (*1935), Mode- und Performancegruppe Allerleirauh, Angelika Kroker (*1957) Künstlerinnengruppe Erfurt mit u.a. Monika Andres (*1962) und Verena Kyselka (*1957), Evelyn Richter (*1930), Christine Schlegel (*1950), Gundula Schulze Eldowy (*1954), Cornelia Schleime (*1953), Gabriele Stötzer (*1953), Erika Stürmer-Alex (*1938), Karla Woisnitza (*1952), Hanne Wandtke (*1939), Doris Ziegler (*1949)

Magdalena Abakanowicz (1930 - 2017, PL), Geta Brătescu  (*1926 - 2018, RO), Orshi Drozdik (*1946, HU), Judit Kele (*1944, HU), Magdalena Jetelová (*1946, CSSR), Katalin Ladik (*1942, HU), Běla Kolářová (1923 - 2010, CSSR), Alena Kučerová  (*1923, CSSR), Zofia Kulik (*1947, PL), Natalia LL (*1937, PL), Ana Lupas (*1940, RO), Dora Maurer (*1936, HU), Ewa Partum (*1945, PL/D), Zofia Rydet (1911-1997, PL), Adriena Šimotová (1926 - 2014, CSSR), Zorka Ságlová (1942 - 2003, CSSR), Alina Szapocznikow (1926 - 1973, PL)

© Nachlass Sibylle Bergemann, OSTKREUZ; Courtesy Loock Galerie, Berlin, Kostüm: Angelika Kroker
Sibylle Bergemann, Heike, Allerleirauh, Berlin, 1988, Design: Angelika Kroker

Publikation

Ausstellungskatalog

Medea muckt auf: Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang

Katalog hrsg. von Susanne Altmann, Katarina Lozo & Hilke Wagner, Dresden 2018/19, 256 S. mit 258 (230 farb.) teils ganzseit. Abb., Kurzbiographien, broschiert - Text in dt. & engl. Sprache, Bestellnr.: 1593562, ISBN: 978-3-96098-527-3

Ausstellung im Wende Museum, Californien

The Medea Insurrection: Radical Women Artists Behind the Iron Curtain

Die Ausstellung wird vom 9.11.2019 bis 5.4.2020 im Wende Museum, Californien (im Rahmen des „Deutschlandjahrs USA 2018/19" des Goethe Instituts) zu sehen sein.

Schwarz-Weiß-Foto einer Frau in einem Kostüm
© Nachlass Sibylle Bergemann, OSTKREUZ; Courtesy Loock Galerie, Berlin

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Eine Ausstellung des Albertinum, kuratiert von Susanne Altmann.

 

 

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