Sibylle Bergemann, Heike, Allerleirauh, Berlin, 1988, Design: Angelika Kroker
© Nachlass Sibylle Bergemann, OSTKREUZ; Courtesy Loock Galerie, Berlin, Kostüm: Angelika Kroker

Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang

Medea: Femme Fatale und Über-Frau aus dem Osten. Flucht in den Mythos? Nicht mit ihr! Häufig wichen vor 1989 gerade in Ostdeutschland Literat*innen und Maler*innen auf antike Schauplätze aus, um Unbehagen am Regime und Unfreiheit darzustellen.

  • Laufzeit 08.12.2018—31.03.2019
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr, Montag geschlossen
    24.12.2018, 10—14 Uhr  (Heilig Abend)
    25.12.2018, 10—18 Uhr  (1. Weihnachtsfeiertag)
    26.12.2018, 10—18 Uhr  (2. Weihnachtsfeiertag)
    31.12.2018, 10—18 Uhr  (Silvester)
    01.01.2019, 12—18 Uhr  (Neujahr)
  • Eintrittspreise regulär 6 €, ermäßigt 4,50 €, unter 17 frei, Gruppen ab 10 Personen 5,50 €

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Die hier vorgestellten Künstlerinnen, allesamt auf der sozialistischen Seite des Eisernen Vorhangs gereift, interpretierten Medea, Kassandra oder Penthesilea im weitesten Sinne als zeitgenössische Frauenbilder. Sie zündelten, provozierten, protestierten, experimentierten unter dem Radar akzeptierter Medien, entblößten sich selbst und ihren Zorn, verweigerten sich zugleich sozialistischen und bürgerlichen Rollenmodellen. Mit dieser doppelten Verweigerung gingen sie meist größere Risiken ein als ihre männlichen Kollegen. Doch dieses gebündelte Ausmaß an Trotz und Energie wirkt in ihrer Bildsprache auch gegenwärtig noch nach.

Bis heute sind viele der Werke, die die Ausstellung „Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“ zeigt, einem weiten Publikum unbekannt. Gerade jetzt, da nach einer öffentlichen Sichtbarkeit für Kunst aus der Zeit vor 1989 verlangt wird, werden derlei Defizite besonders deutlich. Hier greift „Medea“ als Korrektiv ein.

Foto einer wütenden älteren Frau
© Gundula Schulze Eldowy, Foto: Stefanie Recsko
Gundula Schulze Eldowy, Berlin 1987, aus dem Zyklus: Der große und der kleine Schritt (1984–1990) Förderankauf des Freistaates Sachsen 1998, Kunstfonds, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

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Um die Einzigartigkeit dieser künstlerischen Antworten auf den autoritären Zwang wirklich einordnen zu können, reicht weder der Bezug nur zu den zeitgeschichtlich aufgeladenen ostdeutschen Kontexten, noch die Orientierung am westlichen Kunstkanon nach 1945. Vielmehr ist es an der Zeit, eine Einordnung nach Osten vorzunehmen: "Medea muckt auf" schaut auf jene sozialistisch aufgestellten Territorien, wo die Bedingungen für freie (oder eben unfreie) Kunstausübung mit denen in der DDR vergleichbar waren.

Fotografie von drei jungen Frauen, die in eine Scheibe Wassermelone beißen
© Courtesy of the artist, Foto: József Rosta / Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art
Natalia LL, Aus der Serie Consumer Art (1-3), 1975

Impressionen

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Risikobereitschaft, Improvisationstalent, Selbstironie, kategorische Umdeutungen klassischer Materialien und Motive - das sind längst nicht alle Verbindungen, die sich etwa zwischen Magdalena Abakanowicz (PL) und Christa Jeitner, zwischen Katalin Ladik (HU) und Gabriele Stötzer, zwischen Zorka Saglova (CZ) und Else Gabriel, zwischen Zofia Rydet (PL) und Gundula Schulze Eldowy, zwischen Geta Bratescu (RO) und Christine Schlegel ziehen lassen. "Medea muckt auf" gegenüber den Vergesslichkeiten der jüngeren Kunstgeschichte und der Marginalisierung weiblicher Positionen. Fernab von Opfergestus oder Verbitterungsszenarien, feiert die Sonderausstellung Stärke, Selbstbewusstsein, Widerstandsfähigkeit und vor allem künstlerische Qualität.

Zeichnung von zwei nackten sitzenden Menschen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Karla Woisnitza, Zeichnung zum Medea-Mythos, 1985 Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Friedhelm Hoffmann, Berlin

Künstlerinnen

Die Ausstellung präsentiert 36 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstlerinnengruppen:

Tina Bara (*1962), Annemirl Bauer (1939 - 1989), Sibylle Bergemann (1941 - 2010), Else Gabriel (*1962), Angela Hampel (*1956), Christa Jeitner (*1935), Mode- und Performancegruppe Allerleirauh, Angelika Kroker (*1957) Künstlerinnengruppe Erfurt mit u.a. Monika Andres (*1962) und Verena Kyselka (*1957), Evelyn Richter (*1930), Christine Schlegel (*1950), Gundula Schulze Eldowy (*1954), Cornelia Schleime (*1953), Gabriele Stötzer (*1953), Erika Stürmer-Alex (*1938), Karla Woisnitza (*1952), Hanne Wandtke (*1939), Doris Ziegler (*1949)

Magdalena Abakanowicz (1930 - 2017, PL), Geta Brătescu  (*1926 - 2018, RO), Orshi Drozdik (*1946, HU), Judit Kele (*1944, HU), Magdalena Jetelová (*1946, CSSR), Katalin Ladik (*1942, HU), Běla Kolářová (1923 - 2010, CSSR), Alena Kučerová  (*1923, CSSR), Zofia Kulik (*1947, PL), Natalia LL (*1937, PL), Ana Lupas (*1940, RO), Dora Maurer (*1936, HU), Ewa Partum (*1945, PL/D), Zofia Rydet (1911-1997, PL), Adriena Šimotová (1926 - 2014, CSSR), Zorka Ságlová (1942 - 2003, CSSR), Alina Szapocznikow (1926 - 1973, PL)

© Nachlass Sibylle Bergemann, OSTKREUZ; Courtesy Loock Galerie, Berlin, Kostüm: Angelika Kroker
Sibylle Bergemann, Heike, Allerleirauh, Berlin, 1988, Design: Angelika Kroker

Rahmenprogramm und Publikation

Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Performances von Ewa Partum (PL) und Katalin Ladik (HU), einer Kurzfilmnacht im Lipsiusbau am 21. Dezember 2018, einem Abend zur Geschichte des Ostberliner Modekollektivs "Allerleirauh" sowie einem internationalen Kolloquium begleitet die Ausstellung.

Im Frühjahr 2019 erscheint eine ca. 250-seitige Publikation beim Verlag Walter König mit Beiträgen von Susanne Altmann, Marie Klimesova, Kata Kraznahorkai, Emese Kürti und anderen Autorinnen in deutscher und englischer Sprache.

Foto einer Frau in einem rot-weißen Kostüm mit Hut
© Monika Andres, Foto: Archiv Monika Andres
Monika Andres, Name, Stadt, Land, 1988

Termine

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Die Ausstellung wird kuratiert von Susanne Altmann.


Partner und Förderer

Förderer

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